Hybride Arbeits- und Lebenswelt

Für Markenführer bietet die hybride Arbeits- und Lebenswelt ein enormes Potenzial für die Suche und Bindung von Mitarbeitern – aber auch neue Verpflichtungen. Sechs Erfolgsfaktoren spielen dabei eine besondere Rolle.

Die Welt ist hybrid – und so auch der Mensch. Für Markenführer bedeutet dies, dass Mitarbeitererlebnisse, -bindung und -suche heute anders orchestriert werden müssen.

Die hybride Welt bietet unendliche Möglichkeiten für die gezielte Markenentfaltung, aber auch beispielsweise die Herausforderung, Vertrauen und Bindung dauerhaft in einem auf weniger physische Nähe basierendes Arbeitsumfeld herzustellen und grossartige Talente zu nutzen, die möglicherweise tausende von Kilometern entfernt leben. Damit eröffnen sich neue Chancen, aber auch Verpflichtungen, soll dies auf Dauer gelingen.

«Gefangen» zwischen den Welten

Für viele Marken erfolgte der Digitalisierungsschub der letzten Monate eher zwangsweise, während andere Unternehmen bereits seit vielen Jahren erfolgreich remote arbeiten – also denken und handeln. Einmal auf den Geschmack gekommen, wollen weder Mitarbeiter noch Unternehmen zurück in die alten Strukturen. Umso wichtiger ist es, das hybride Arbeits­erlebnis von Grund auf zu gestalten, anzulegen und zu führen. Dies birgt neue Herausforderungen, insbesondere für die Führung, denn die Entwick­lung ist in diesem Sinne vorgezeichnet. Wer künftig die besten Talente langfristig binden will, muss die Zusammenarbeit hybrid ermöglichen und orchestrieren.

Talente sind heute 24/7 verfügbar – und zwar weltweit

Was früher insbesondere global tätigen Unternehmen vorbehalten war, steht heute einer grossen Anzahl von Organisationen jederzeit zur Verfügung – die besten Talente. In diesem Sinne folgt der Globalisierung und Digitali­sierung die Verfügbarkeit der Talente in einer völlig neuen Dimension. Während beispielsweise die Suche neuer Mitarbeiter bisher im Umfeld der bestehenden Standorte oder im Rahmen eines neuen Markteintritts erfolge, sollte dies heute unter den Bedingungen der auf breiter Basis verän­derten Arbeitswelt überdacht und bewertet werden. Dieser Perspektivenwechsel ist entscheidend, da Arbeits- und Verhaltensweisen sich grund­legend verändern werden. Ist es nicht egal, wo der CEO oder Verkaufsleiter lebt – in der Toskana, auf Sylt oder in New York? Sicher, hiervon können nicht alle Berufsgruppen gleichermassen profitieren, aber viele, insbeson­dere in einem Arbeitsumfeld, wo es lediglich einen Computer, eine Kamera, ein Mikrofon sowie viel Selbstdisziplin braucht. Die sechs Erfolgsfaktoren machen den Unterschied:

1. Hohes Vor-Vertrauen

Unternehmen, die in der ortsunabhängigen Arbeitswelt angekommen sind, schenken ihren Mitarbeitern ein enormes Vor-Vertrauen. Sie vertrauen darauf, dass ihre Mitarbeiter loyal, pflichtbewusst, ergebnis- und erfolgsorientiert sind. In diesem Sinne wird «Kontrolle» hauptsächlich über die erbrachten Leistungen und erzielten Erfolge ausgeübt. Dies ist für Mitarbeiter motivierend und selbstverpflichtend zugleich. Wir beobachten, dass überall dort, wo das Vertrauen in die Mitarbeiter gross ist, es deutlich weniger Führung bedarf.

2. Freiheit zu Handeln

Eine jede Aufgabe erfordert – insbesondere je herausfordernder sie ist – ein hohes Mass an Flexibilität und Selbstorganisation. Der «Nine-to-Five-Job» gehört der Vergangenheit an, da mit der zunehmenden global-digitalen Ver­- netzung Arbeits- und Kundenbeziehungen veränderte Anforderungen an die Flexibilität der Mitarbeiter nach sich ziehen. Wann der Job gemacht wird, ist egal. Hauptsache er wird erledigt und das erfolgreich. Wir beobachten, dass Mitarbeiter jederzeit engagierter sind, aber auch kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn private Themen einmal im Vordergrund stehen.

3. Adäquate Arbeitsinfrastruktur

Ein professionelles Arbeitsumfeld ist sowohl in der physischen als auch hybriden Welt die Visitenkarte einer Marke. Deshalb müssen die Kundenkontaktpunkte auch hier der Markenklasse sowie dem Stand der Technik entsprechen. Dies erfordert eine Verschiebung von Investitionen von physischen Unternehmensstandorten hin zu den digitalen Marken-Repräsentanzen. Wir beobachten, dass Mitarbeiter die eine einheitlichen Standards folgende Ausrüstung und einen markenkonformen Auftritt haben, eingebundener, zufriedener und wirksamer in ihrem Tagesgeschäft sind.

4. Verfügbarkeit

Freiheit gegen Leistungsernst – alles hat seinen Preis. In Arbeitsumfeldern, die nicht den «eingefahrenen Standards» folgen, sehen wir ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein und eine hohe Bereitschaft von Mitarbeitern, flexibel auf unterschiedlichste Anfragen und Anforderungen zu reagieren. Es ist eine Win-win-Situation und unter dem Strich profitieren beide Seiten davon. Voraussetzungen sind jedoch Selbstdisziplin und Verhältnismässigkeit. Jeder hat ein Anrecht auf Ruhe und Distanz. Es liegt an allen Beteiligten, sich entsprechend zu organisieren und das Beste zu geben.

5. Eigenverantwortung

Die Übertragung von Verantwortung bedingt Vertrauen und schafft im Gegenzug Verpflichtung und eine enorme Motivation. Anstatt Mitarbeitern jeden Schritt vorzugeben, sollten Führungskräfte als Befähiger wirken und ihre Mitarbeiter fordern und fördern. Neue Arbeitsweisen und -Organisationsformen bedingen neue Führungs- und Ausbildungskonzepte. Wir beobachten, dass Selbstverantwortung und Eigeninitiative von Mitarbeitern in dem Masse zunehmen, indem man ihnen den Raum und die Zeit gibt, sich mit ihren neuen Freiheiten anzufreunden und ihre ver­änderte Rolle dementsprechend wahrzunehmen.

6. Rituale und den physischen Ort

Selbstverständlich lebt ein hybrides Arbeitsumfeld auch von festen Ritualen und einer physischen Heimat, in der die Marke in ihrer vollen Dimensionen für Mitarbeiter erfahrbar wird. Entscheidend ist jedoch, die Marke auch in der digitalen Welt voll spürbar zu machen. Je weniger Ort, desto wichtiger ist es das Erzeugen von Bindung als kontinuierliche Managementaufgabe zu verstehen. Wir beobachten, dass insbesondere hier noch Unsicherheit und Nachholbedarf gibt.

Vieles bleibt anders

In diesem Sinne geht es jetzt darum, die neuen Realitäten in die Führung der Marke dauerhaft zu integrieren. Dies birgt enorme Chancen für die Unternehmen, die diese Herausforderung annehmen. Es ist nur der logische nächste Schritt in eine neue Art der Zusammenarbeit mit den besten Talenten, die unsere Welt zu bieten hat.

Let’s talk…

thomas.froehlich@leap-partners.com

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